Rechenzentren und Künstliche Intelligenz: Warum Deutschland den Anschluss verliert – und welche Folgen das hat
Die wachsende Bedeutung von Rechenzentren
Rechenzentren sind das Rückgrat der digitalen Wirtschaft. Sie betreiben Cloud-Dienste, speichern Daten und ermöglichen Anwendungen von Streaming bis zu Künstlicher Intelligenz (KI). Doch Deutschland verliert im internationalen Wettbewerb an Boden. Während der Anteil Deutschlands am weltweiten Serverbestand 2015 noch bei 3,5 % lag, sind es heute nur noch 2,5 %. Die USA dominieren mit zwanzigmal mehr Kapazitäten, und China hat sich weltweit als Nummer zwei etabliert[1].
Die Verlagerung von Rechenzentren aus Deutschland in andere Länder hat jedoch weitreichende Konsequenzen – insbesondere für den Klimaschutz, den Datenschutz und die zukünftige Entwicklung von KI.
KI als Treiber für die globale Rechenzentrumsnachfrage
Künstliche Intelligenz gehört zu den größten Wachstumstreibern für Rechenzentren. Die Modelle, die beispielsweise Chatbots oder Bilderkennungssysteme antreiben, müssen mit riesigen Datenmengen trainiert werden. Dies benötigt enorme Rechenleistung – und vor allem Strom.
Warum ist das problematisch?
- Die USA und China haben den größten Marktanteil an Rechenzentren, aber ihr Strommix ist stark von fossilen Energieträgern abhängig.
- In den USA werden viele Rechenzentren mit Gas- oder Kohlekraft betrieben, während China noch immer einen Großteil seines Stroms aus Kohle bezieht[2].
- KI-Modelle, die dort trainiert werden, hinterlassen daher einen hohen CO₂-Fußabdruck.
Ökologische Vorteile durch nachhaltige Standorte
- In Deutschland und Europa wächst der Anteil erneuerbarer Energien kontinuierlich. In Deutschland liegt er bereits bei über 50 %, die EU strebt bis 2030 mindestens 80 % an[3].
- Ein Rechenzentrumsstandort in kühleren Regionen wie Nordeuropa oder Deutschland reduziert zudem den Energiebedarf für die Kühlung.
- Das bedeutet: Würden mehr KI-Rechenzentren in Europa betrieben, könnten sie mit sauberem Strom versorgt werden und weniger Emissionen verursachen..
Umweltauswirkungen: Deutschland vs. USA und China
Der CO₂-Fußabdruck von Rechenzentren hängt stark davon ab, wo sie betrieben werden:
- Deutschland & Europa:
Hoher Anteil erneuerbarer Energien, energieeffiziente Kühlung in kälteren Regionen. - USA:
Strommix mit hohem Gas- und Kohleanteil, besonders in Texas und Virginia, wo viele Rechenzentren stehen[5]. - China:
Der größte Teil des Stroms stammt aus Kohlekraftwerken, was zu hohen CO₂-Emissionen führt[5].
Insgesamt könnten nachhaltige Standorte in Deutschland oder Nordeuropa den ökologischen Fußabdruck von Rechenzentren erheblich reduzieren.
Datenschutz und Zensur: Wo KI-Modelle trainiert werden, spielt eine Rolle
Neben der Umweltfrage gibt es auch erhebliche Unterschiede bei Datenschutz und politischer Kontrolle:
- USA & der CLOUD Act:
Die US-Regierung kann auf gespeicherte Daten zugreifen, selbst wenn diese außerhalb der USA gehostet werden[6]. - China:
Strikte staatliche Kontrolle und Zensur sorgen dafür, dass nur regierungskonforme Inhalte trainiert werden können. - Europa & DSGVO:
Europas Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) schützt personenbezogene Daten und macht den Standort sicherer für sensible Informationen.
Konkret bedeutet das: KI-Modelle, die in den USA oder China trainiert werden, könnten sowohl umweltschädlicher als auch datenrechtlich problematischer sein.
Fazit: Warum ein nachhaltiger Rechenzentrumsstandort wichtig ist
Die steigende Nachfrage nach Rechenkapazität – insbesondere für KI – wird den Energieverbrauch von Rechenzentren weltweit in die Höhe treiben. Die Wahl des Standorts ist daher nicht nur eine Frage der Wirtschaftlichkeit, sondern auch des Klimaschutzes und der Datensicherheit.
- Deutschland hat mit seinem hohen Anteil erneuerbarer Energien und einem kühlen Klima ideale Bedingungen für nachhaltige Rechenzentren.
- Die USA und China setzen hingegen weiter stark auf fossile Energien, was den CO₂-Fußabdruck erheblich vergrößert.
- Datenschutz und politische Kontrolle spielen ebenfalls eine Rolle: Europa bietet durch die DSGVO höhere Sicherheitsstandards als die USA und China.
Ein stärkerer Fokus auf europäische Rechenzentren wäre also sowohl ökologisch als auch gesellschaftlich sinnvoll.
Dieser Artikel basiert auf der aktuellen Borderstep-Studie, die die globale Entwicklung von Rechenzentren und ihre Auswirkungen untersucht. Weitere Details findest du hier.
Warum ist die Nachfrage nach Rechenzentren in den letzten Jahren gestiegen?
Besonders durch das Wachstum von KI-Anwendungen und Cloud-Diensten benötigen Unternehmen weltweit immer mehr Rechenleistung [7].
Wie wirkt sich der Standort von Rechenzentren auf den Klimaschutz aus?
Standorte mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien und geringem Kühlbedarf haben eine deutlich geringere CO₂-Bilanz[3].
Welche Rolle spielt Europa im globalen Rechenzentrumsmarkt?
Europa hat strenge Datenschutzgesetze und einen hohen Anteil erneuerbarer Energien, fällt aber im internationalen Wettbewerb zurück [1].
Warum ist Datenschutz ein Problem bei US-amerikanischen oder chinesischen Rechenzentren?
Der US CLOUD Act erlaubt der Regierung den Zugriff auf Daten, während China seine KI-Modelle stark zensiert [6].
Was wäre die beste Strategie für nachhaltige und sichere Rechenzentren?
Inhalt des Toggles hier rein
Quellen
[1]: Borderstep-Institut: „Rechenzentren – Deutschland verliert den Anschluss“ (2024), borderstep.de
[2]: Business Insider: „Gigantischer Stromverbrauch der Rechenzentren treibt CO₂-Ausstoß hoch“ (2023)
[3]: EU-Kommission: „Ziele für erneuerbare Energien 2030“ (2024)
[4]: US Energy Information Administration: „Electricity Sources in Data Centers“ (2023)
[5]: ChannelPartner: „CO₂-Belastung durch chinesische Rechenzentren“ (2023)
[6]: CLOUD Act Gesetzestext, US Department of Justice (2018)
[7]: Gartner: „Wachstum von KI-Rechenzentren bis 2030“ (2024)